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Korea, K-Dramen und ich

Wie kommst du denn dazu?

Das werde ich wirklich oft gefragt. Es ist ja auch echt ungewöhnlich, zumindest in Deutschland. Doch dahinter steckt eine lange Geschichte und ich möchte sie kurz erzählen.

A Chinese Ghoststory

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Ich weiß nicht, ob Sie den Film kennen. Er lief als ich jugendlich war einmal im Deutschen Fernsehen – und ich glaube es war der Beginn meines Interesses für China, für chinesische Filme und chinesische Philosophie.

Als ich in Freiburg Pädagogik studierte, hatte ich einen Soziologie-Professor, der China-Enthusiast war und so sah ich meine Chance bekommen, mich mehr mit dem chinesischen Denken zu befassen. Doch leider meinte er, dass die Übersetzungen ins Deutsche so schlecht wären, dass mich das Lesen dieser Schriften eher verderben würde. Doch eine Schrift durfte ich lesen: das Daudedsching.
Und natürlich hörte ich nicht auf seine Worte und las noch weitere Schriften.

Der Startschuss für „Korea“

Wie ich schon an anderer Stelle erwähnt habe, begann es zur Corona-Zeit. Ich hatte nichts zu tun, wurde etwas depressiv und fand einfach keinen Job, keinen Lehrauftrag, nichts. „Wenn du schon daheim sitzt, dann kannst du genauso gut auch Serien schauen“, dachte ich mir.

Was ich an Netflix mag, ist, dass man Serien aus der ganzen Welt mit deutschen Untertiteln anschauen kann. Und das tat ich dann auch. Chinesische Serien und Filme liebe ich schon lange und so schlug mir Netflix auch andere ostasiatische Serien vor, unter anderem koreanische.

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Nachdem ich „Crash Landing On You“ und „My Mister“ gesehen hatte, dachte ich: Wow! Warum hat mir niemand gesagt, dass es so großartige Serien aus Korea gibt? Korea? Wo liegt das überhaupt?

Und da musste ich feststellen, dass ich absolut nichts über Ostasien wusste (außer meinem begrenzten China-Wissen) und absolut Null über Südkorea. Eine neue Welt tat sich mir auf. Die koreanische Gesellschaft ist eine konfuzianische!

Und so begann ich mehr und mehr über Korea zu lesen und mehr und mehr K-Dramen zu schauen.

Verantwortung

Mit dem Thema Verantwortung beschäftige ich mich schon lange. Zentral und völlig unphilosophhisch wurde es, als ich erlebte, wie Eltern immer weniger bereit waren, Verantwortung für ihre Kinder zu übernehmen.

1994 eröffnete ich meine erste Nachhilfeschule. Damals konnte man hervorragend mit Eltern zusammenarbeiten und sie taten normalerweise alles, was ich ihnen als Diplompädagogin dringend ans Herz legte. Sie wollten eine gute Zukunft für ihr Kind und alles richtig machen.

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Doch die Zeiten änderten sich. In den 2010ern war fast niemand mehr bereit das zu tun, was für das Kind sinnvoll war, denn: „Keine Zeit!“. Als Lehrerin habe ich immer wieder erlebt, wie Eltern – und zwar gut 90% – sich in keinster Weise für den Erfolg ihrer Kinder verantwortlich fühlten. Irgendwer ist immer Schuld, meistens die Schule, vielleicht die Kinder – aber nie sie selbst. Sie, die keine Zeit haben, Hausaufgaben zu kontrollieren oder Vokabeln abzufragen, nicht mal für 10 Minuten, können unmöglich schuldig sein, wenn ihr Kind schlechte Noten schreibt und sich im Stich gelassen fühlt.

Und dann sah ich K-Dramen …

Warum K-Dramen?

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Und dann sah ich K-Dramen, in denen Eltern sogar einen Kredit auf ihr Haus aufnahmen, um ihren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. K-Dramen, in denen Menschen die Verantwortung für andere auf ihren Schultern trugen.
Da dachte ich, dass ich vielleicht ein Bewusstsein für Verantwortung schaffen könnte, wenn ich über K-Dramen schreibe.

Sicherlich ist das konfuzianische Verantwortungs-Denken nicht so einfach auf Deutschland zu übertragen und sicherlich hat es auch negative Seiten. Doch auch positive.

Ich bin selbst eine große Kritikerin des koreanischen Konservativismus (hier gibt es u.a. einen Text dazu), doch das Prinzip der gegenseitigen Verantwortung ist etwas, das uns verloren gegangen ist und an dem wir uns dennoch ein Beispiel nehmen können. Mich hat es verändert und bestärkt.

Nach wie vor denke ich, dass es das wichtigste ist, Verantwortung zu übernehmen.

Laut Sartre macht Verantwortung frei. Je höher und schwerer die Verantwortung, desto höher die Freiheit, die sie erzeugt. Verantwortung ist nichts Schlechtes, es ist nur ein Prinzip, das wir in Deutschland fast vollständig vergessen haben.

Wer’s nicht glaubt, muss nur in die Politik schauen – und zur AfD.

An dieser Stelle versteht man vielleicht auch meine Begeisterung für Henry David Thoreau.

K-Drama.de – die Website

Ursprünglich hatte ich eine private Website, auf welcher ich über fast alles schrieb, über Menschenrechte, Politik und Musik. Sie hatte ich seit etwa 2007. Theoretisch gibt es sie immer noch, doch sie liegt gerade in Trümmern und ich muss sie erst wieder aufbauen. Auch Webseiten können in sich zusammenstürzen.

Auf dieser Seite schrieb ich ursprünglich über K-Dramen und wollte sie Menschen ans Herz legen, in der Hoffnung, eine Auseinandersetzung mit einer anderen Kultur und Denkweise anzuregen. Doch es wurden immer mehr, die ich sah und anderen empfehlen wollte und so bekamen sie eine eigene Seite.

Und diese Seite heißt K-Drama.de.

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Ich denke, wir können viel lernen, wenn wir es zulassen, dass uns eine andere Kultur und Denkweise beeinflusst. Das ist das Grundprinzip der Dialektik: Es gibt immer dann einen Fortschritt, wenn verschiedene Denkweisen oder Weltbilder aufeinanderprallen. Aus der Auseinandersetzung kann etwas Neues entstehen und das eingerostete alte Denken wird geschmiert und mit neuen Möglichkeiten erweitert.

Und vielleicht mit einem neuen Verantwortungsbewusstsein?

Vielleicht bin ich auch einfach zu naiv.